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Die Koerber-Frage: Beigeordneter Bürgermeister in Minden?

Prof. Dr. Rolf Koerber, Honorarprofessor an der Uni Leipzig, soll Bürgermeisterkandidat von CDU, Grünen und FDP in Minden werden. Foto: privat/Xing

Der Wahl-Dresdener Prof. Dr. Rolf Koerber wurde am Dienstag von CDU, Grünen, FDP, Piraten und BBM zum Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Minden gewählt. Foto: privat

Wie erwartet mit seltener Einmütigkeit haben am vergangenen Dienstagabend CDU, Bündnisgrüne, FDP und Piraten sowie zuvor das Bürger-Bündnis Minden (BBM) den Wahl-Dresdener Dr. Rolf Koerber offiziell zum gemeinsamen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 13. September in Minden gewählt. Die Koalition aus politischem Establishment und Spontiakteuren mit Sitzmehrheit in der Stadtverordnetenversammlung dürfte in den kommenden Wochen besondere Aufmerksamkeit genießen. Und das nicht nur, wenn es darum geht, wie sie ihren Bürgermeisterkandidaten unterstützen.

Was beim Hieven auf den Kandidatenschild reibungslos gelaufen scheint, hat aber auch Folgen, die in der Frage münden: Kann einer gleichzeitig Bewerber um eine Beigeordnetenstelle und um den Bürgermeisterstuhl in Minden sein?

Denn die bunte Kooperationsgemeinschaft war auf den 48-jährigen gebürtigen Gelsenkirchener Vollblutpädagogen mit sächsisch-ministerieller Berufserfahrung und angeschlossener Freiberuflertätigkeit aufmerksam geworden, weil er sich – wie berichtet – um die Stelle des Schule- und Kultur-Beigeordneten in Minden beworben hat. Die Stellenausschreibung war notwendig geworden, nachdem Amtsinhaber Dr. Joachim Meynert – genauso wie sein Kollege, der Bau-Beigeordnete Klaus-Georg Erzigkeit – nicht wieder kandidiert.

Der nun von CDU, Grünen, FDP, Piraten und BBM gekürte Rolf Koerber hatte vor wenigen Tagen bei seiner Vorstellung im Victoria-Hotel erklärt, er werde seine Bewerbung als Beigeordneter aufrecht erhalten, auch wenn er von der Kooperationsgemeinschaft zum Bürgermeisterkandidaten gewählt werde. Damit hat er eine Diskussion losgetreten, die nicht nur am Rande der Eröffnung der Mindener Messe von Politik und Wirtschaft geführt wurde, sondern sich inzwischen in vielen Kreisen der Weserstadt breit macht.

Die zentralen Frage dabei sind: Wie kann das gehen? Was will Koerber nun eigentlich? Was passiert, wenn er vor der Bürgermeisterwahl zum Beigeordneten gewählt wird und dann die Bürgermeisterwahl gewinnt? Sollte er bei der Bürgermeisterwahl unterliegen, kann er dann überhaupt mit einem erfolgreichen Mitbewerber (beispielsweise SPD-Mann Michael Jäcke) in der Funktion als Beigeordneter vernünftig zusammenarbeiten?

Eine Menge Fragen, die eigentlich nur einer beantworten kann: Rolf Koerber selbst.

Autor: © Hans-Jürgen Amtage

Weiterführender Link: Facebook-Seite von Dr. Rolf Koerber

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Autor: Hans-Jürgen Amtage

Der Journalist Hans-Jürgen Amtage, Jahrgang 1958, ist Geschäftsführender Redakteur des Pressebüros Hans-Jürgen Amtage | Amtage Medientext in Minden. Nach dem Studium der Sozialwisssenschaften und Publizistik in Göttingen war er unter anderem für eine Yellow-Press-Agentur und als Leiter des Regionalstudios Hannover des Privatsenders RTL und Korrespondent im niedersächsischen Landtag tätig. Außerdem wirkte er als stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter einer führenden lokalen Tageszeitung und Wochenzeitung. Hans-Jürgen Amtage arbeitet als Kommunikationsberater und ist in den Neuen Medien unterwegs. In diesem Blog kommentiert er aktuelle (Mindener) Themen.

2 Kommentare

  1. Eine gute Frage, die hier aufgeworfen wurde: Wo liegt das Problem?
    Der Stadtrat wählt die beste Kandidatin oder den besten Kandidaten für das Amt des Beigeordneten. Hierbei sollte der Stadtrat die Auswahl unter möglichst vielen qualifizierten Bewerbern haben. Sollte die Wahl des Stadtrats auf mich fallen, so würde ich das Amt mit Freude und Vergnügen übernehmen und in professioneller Art und Weise gestalten. Dazu gehört zu allererst auch das kollegiale Miteinander mit Kollegen, Mitarbeitern, dem Stadtrat und dem Bürgermeister. Ganz egal, wer der Bürgermeister ist.
    Sollten dann im September die Bürgerinnen und Bürger eine Wahlentscheidung zu Gunsten eines Aufbruchs treffen und mich zum Bürgermeister wählen, sehe ich darin eine große Chance. Miteinander würden wir dann in kollegialer Art und Weise entscheiden, ob und wann die Stelle eines Beigeordneten für Schule, Kultur und Sport neu zu besetzen ist. Ganz sicher kann ich dafür Sorge tragen, dass diese Bereiche nicht darunter leiden.
    Wo also liegt das Problem?

  2. Da bewirbt sich ein kompetenter Mann um den ausgeschriebenen Posten eines Beigeordneten und wird von einer außergewöhnlichen Koalition gefragt, ob er auch als Bürgermeister kandidieren würde, und da er sich auch dieses Amt zutraut, sagt er zu. Und er weiß natürlich, dass er, sollte ihn der Stadtrat zum Beigeordneten wählen und wenig später die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Minden nicht zum Bürgermeister, er unter dem gewählten Kollegen das Amt bestens auszuführen hat, an das er zuerst gedacht hat. Wo liegt da das Problem? In Minden werden keine Bürgermeisterkandidaten auftreten, die sich gegenseitig angreifen, sondern die in fairen Wettkampf die Wählerinnen und Wähler davon überzeugen müssen, wen sie für den geeigneteren halten. In einer Gesellschaft, wo es üblich ist, dass sich mehrere Bewerberinnen und Bewerber für eine Aufgabe interessieren und geeignet halten, von denen es nur eine oder einer werden kann, ist es doch keine Niederlage, wenn man sich bemüht und dann nicht genommen wird. Also nochn einmal gefragt: WO LIEGT DAS PROBLEM?

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