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Fehlpass am Wesertor in Minden

Die Innenstadtentwicklung am Wesertor in Minden ist ein klassischer Fehlpass, meint der Mindener Journalist und Blogger Hans-Jürgen Amtage. Foto: Amtage bloggt

Die Innenstadtentwicklung am Wesertor in Minden ist ein klassischer Fehlpass, meint der Mindener Journalist und Blogger Hans-Jürgen Amtage. Foto: Amtage bloggt

Von Hans-Jürgen Amtage

„Hätte, hätte, Fahrradkette“, sagt eine Bekannte aus Minden gerne, wenn sie der Überzeugung ist, dass etwas zwar hätte besser laufen können, aber im Endeffekt erledigt und damit nicht mehr zu ändern ist. Hätte, hätte, Fahrradkette – das könnte man eigentlich auch zu der innerstädtischen Entwicklung am Wesertor sagen, wenn – ja, wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre.

Denn trotz einer offensichtlichen Fehlentwicklung in dem Quartier, welches das eine Ende der wohl längsten durchgehenden Fußgängerzone in Deutschland bildet, scheint alle Welt „Hurra!“ zu rufen, ob eines neuen Sportstudios, das voraussichtlich im Herbst im ehemaligen Karstadt/Hertie-Gebäude eröffnen soll. Was, frage ich mich angesichts dieser Option, hat das mit Innenstadtentwicklung zu tun? Wo bitte soll ein Fitnessstudio die Einkaufsvielfalt zwischen Wesertor und Obermarkt stärken?

Abgesehen davon, dass es gefühlt mindestens das 150. Studio in der Weserstadt ist, das den Mindenern den Schweiß aus den Poren treiben will. Super natürlich, dass man an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden lang dort seinen Körper foltern darf – und das angeblich auch noch zu einem Preis, der in der Szene als günstig gilt.

Abgesprungen wie ein Leopard, gelandet wie ein Bettvorleger

Da hatten doch schon viele potenzielle Fitnessfreaks geplant, bei einem günstigen Mitgliedsbeitrag auch noch eine Art 24-Stunden-an-365-Tagen-Parkplatz im noch nicht wiederöffneten Parkhaus des „Einkaufscenters“ an der Bäckerstraße zu ergattern. Scheint wohl nicht zu klappen. Maximal zwei Stunden kostenloses Parken soll für die Sportstudio-Mitglieder wohl möglich sein, verlautet es aus den Medien. Also nicht einmal beim Parken ist dieses Riesenstudio für den Einzelhandel in der City förderlich.

Dabei war der Dinslakener Investor Hellmich bei der Entwicklung der ehemaligen Hertie-Brache in Minden wie ein Leopard abgesprungen, um jetzt anscheinend wie der vielzitierte Bettvorleger zu landen. Den vor allem auf junge Mode spezialisierten Textiler H&M hat er geschafft, von der einen Ecke in der Bäckerstraße in die andere Ecke in der Bäckerstraße abzuziehen. Ein Onlineportal, das sich auf (geplante) Neueröffnungen spezialisiert hat, berichtet davon, dass Drogist Rossmann ebenfalls bei Hellmich am Wesertor einziehen wolle. Wobei diese Information nicht bestätigt ist.

Wäre ja auch ein echter Coup, wenn das passieren würde: Rossmann von der einen Ecke in der Bäckerstraße abziehen und an der anderen Ecke in der Bäckerstraße ansiedeln. Das also wird Stärkung der Innenstadt genannt. Zumindest unter Mindener Aspekten.

Hat dann eigentlich jemand in Minden geöffnet?

Doch kommen wir zurück zum 365/24-Studio. Ich stelle mir vor, wie der völlig erschöpfte und seinen „Body“ stählenden Durchschnittsmindener frisch geduscht nach 19 Uhr gemütlich durch die Innenstadt tapert, um seinen Einkauf zu erledigen. Hat nach 19 Uhr eigentlich noch ein Geschäft in der City geöffnet? Ach, ja, Kaufland an der Lindenstraße. Aber macht der nicht in wenigen Monaten dicht?

Macht nichts, man kann ja bei 24 Stunden Öffnungszeit  auch vor der Arbeit am Wesertor trainieren gehen. Also, um 6 Uhr hin, zwei Stunden sich abstrampeln und ab geht es in die Innenstadt. Oh, so ein Ärger, die kostenlose Parkzeit im Fitnessparkhaus ist ja schon vorüber. Macht nichts, man riskiert es einfach mal und läuft noch kurz eine halbe Stunde zum Einkaufen in die City. Hat eigentlich schon ein Geschäft um 8.30 Uhr offen? Nö, bis auf den Bäcker in der gleichnamigen Sraße.

Mag sein, dass ich das alles ein wenig negativ sehe und mir einfach der nötige Sachverstand fehlt, warum ein Sportstudio so wichtig für die Innenstadtentwicklung ist. Früher galten Spielhallen ja auch als Heilsbringer, bis man sie verbannte.

Bleibt ein wenig Hoffnung, dass wenigstens mit dem Abschluss der Arbeiten am Wesertorcenter dann irgendwann im nächsten Jahr auch die Arbeiten an der Fußgängerzone in diesem Quartier abgeschlossen werden. Das würde den Bereich jedenfalls ein wenig aufwerten. Die Eisdiele, die Kräuterfrau, das Schmuckgeschäft und andere an diesem Ende der Bäckerstraße hätten es verdient.

Ansonsten würde ich, um im Fitness- oder Sportjargon zu bleiben, bei der aktuellen Geschäftsentwicklung von einem klassischen Fehlpass am Wesertor sprechen – verbunden mit einer roten Karte für die Ausführung.

© Hans-Jürgen Amtage | 2017 – Der Text darf bei Namensnennung des Autors Hans-Jürgen Amtage unverändert in gedruckten und digitalen Medien übernommen werden

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Autor: Hans-Jürgen Amtage

Der Journalist Hans-Jürgen Amtage, Jahrgang 1958, ist Geschäftsführender Redakteur des Pressebüros Hans-Jürgen Amtage | Amtage Medientext in Minden. Nach dem Studium der Sozialwisssenschaften und Publizistik in Göttingen war er unter anderem für eine Yellow-Press-Agentur und als Leiter des Regionalstudios Hannover des Privatsenders RTL und Korrespondent im niedersächsischen Landtag tätig. Außerdem wirkte er als stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter einer führenden lokalen Tageszeitung und Wochenzeitung. Hans-Jürgen Amtage arbeitet als Kommunikationsberater und ist in den Neuen Medien unterwegs. In diesem Blog kommentiert er aktuelle (Mindener) Themen.

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