Permalink

1

Kommunalwahl in Minden: Danke, kein Interesse!

Die einen dürften heute nach kräftigem Jubeln ihre Stimmbänder ölen, die anderen ihre Tränen nach dem Blick auf das Wahlergebnis trocknen. Die Kommunalwahl in der Stadt Minden hat keine wirklichen Überraschungen gebracht bei dem Bewerberfeld.

Klar war, dass die neuen “Kleinen” wie AfD und Piraten auf Stimmenfang gehen würden. Dass es die Unabhängigen Bürger um Matthias Beier nicht einmal auf einen Sitz im Stadtrat gebracht haben, dürfte der chaotischen Wahlkampfführung von Beier und seinen Mitstreitern geschuldet sein. Eine wirkliche Überraschung ist auch nicht, dass die am rechten Rand der Wählerschaft fischenden Deutsch-Alternativen gleich beim ersten Mal kräftig gepunktet haben. Protestwähler sind manchmal auch auf dem rechten Auge blind. Ordnung, Sauberkeit und ein Anti-Europa-Verhalten kommen immer gut an.

Nicht überraschend ist auch die Feststellung, dass, wer wenig auffällt und sich nur vage positioniert, hinterher kräftig jubeln kann, wie das Beispiel der Mindener SPD bei der Ratswahl am vergangenen Sonntag zeigt. Diejenigen dagegen, die klare Kante zeigen, (ungewöhnliche) Ideen einbringen, die nicht immer populär sein müssen, werden häufig abgestraft. Wobei gesagt werden muss, dass es das Bürger-Bündnis Minden (BBM) mit seiner Klamaukpolitik in der Vergangenheit wohl tatsächlich etwas übertrieben hat. Also, im Prinzip könnte man sagen: Es bleibt alles beim Alten.

Doch das wäre zu kurz gegriffen. Denn eines ist mehr als bedenklich: Ob Jubel oder Tränen – eigentlich müssten alle Parteien und Wählervereinigungen in der Stadt Minden ganz fürchterlich weinen, wenn sie auf die Wahlbeteiligung blicken. Die war bei der Kommunalwahl am 25. Mai weiter rückläufig. Nicht einmal 46 Prozent der knapp 65.700 Wahlberechtigten in der Weserstadt sind zur Wahlurne gegangen. Noch einmal rund 1,5 Prozentpunkte weniger als 2009.

Das bedeutet im Gegenzug, mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten in Minden halten es für überflüssig, einer Partei oder Wählergemeinschaft ihre Stimme zu geben. Sei es aus Mangel an Interesse oder wegen eines Abgenervtseins, ob der in Minden betriebenen Politik. Beide Haltungen sind fatal.

Geändert werden kann dieses nur, wenn die Bürgerinnen und Bürger in der Weserstadt tätsächlich von der Politik mitgenommen werden. Wenn Positionen klar und strukturiert sind. Vergessen werden darf aber auch nicht, dass einzelne Wahlbewerber einmal auf die Altersstruktur ihrer Spitzenkandidaten schauen müssen. Die brauchen sich auf eine Rente ab 63 schon gar nicht mehr bewerben, weil sie diese Altersgrenze schon lange überschritten haben. Die Mischung macht es: Altersweisheit und Erfahrung auf der einen, jugendliche Spontanität auf der anderen Seite. In der Gesamtheit klappt es dann auch mit dem Stimmenfang.

Autor: Hans-Jürgen Amtage

Print Friendly

Autor: Hans-Jürgen Amtage

Der Journalist Hans-Jürgen Amtage, Jahrgang 1958, ist Geschäftsführender Redakteur des Pressebüros Hans-Jürgen Amtage | Amtage Medientext in Minden. Nach dem Studium der Sozialwisssenschaften und Publizistik in Göttingen war er unter anderem für eine Yellow-Press-Agentur und als Leiter des Regionalstudios Hannover des Privatsenders RTL und Korrespondent im niedersächsischen Landtag tätig. Außerdem wirkte er als stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter einer führenden lokalen Tageszeitung und Wochenzeitung. Hans-Jürgen Amtage arbeitet als Kommunikationsberater und ist in den Neuen Medien unterwegs. In diesem Blog kommentiert er aktuelle (Mindener) Themen.

1 Kommentar

  1. Die wollen doch gar nicht das der Bürger interessiert ist, schließen sich am liebsten im verborgenen Kämmerchen ein, verhindern mit abstrusen Verboten das ja kein Bildchen nach draußen gelangt und mauscheln fröhlich vor sich hin.
    Sind doch mal irgendwelche Leute interessiert, dann stellt man zuwenig Stühle auf, läßt ne adäquate Tonanlage weg und sorgt mit langen Wartezeiten dafür das auch der Geduldigste irgendwann die Faxen dicke hatund geht.

    “Unsere” Politiker interessieren sich nur für den Bürger wenn sie was von ihm wollen, ansonsten haben sie uns am Liebsten so weit wie es geht von sich weg. Wehe wir wollen mal was. Ich habe auch die Schnautze voll und ob ich die Zeit nochmal für ne Wahl opfere muß ich mir noch sehr gründlich überlegen. Wir werden doch nur belogen und verarscht.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte lösen Sie die Captcha-Aufgabe * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.