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Minden versucht sich an Mehrzweckhalle

Die Grundstücke nordwestlich des Mindener Bahnhofes könnten sich unter anderem für den Bau einer Mehrzweckhalle eignen. Foto: Edwin-Dodd.com

Die Grundstücke nordwestlich des Mindener Bahnhofes könnten sich unter anderem für den Bau einer Mehrzweckhalle eignen. Foto: Edwin-Dodd.com

Von Hans-Jürgen Amtage

Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2016. Dieses sind die Abenteuer rund um die Überlegungen von Politik und Verwaltungen, in Minden eine Mehrzweckhalle zu errichten. Und das ist wahrlich abenteuerlich.

Vorweg: die unendlichen Weiten befinden sich bekanntermaßen auf dem Rechten Weserufer. Dort, wo die Bahn bislang rund 170 Jahre Grundstücke genutzt und teilweise wohl auch kräftig verseucht hat, ist nicht erst aus jüngster Sicht ein Gelände vorhanden, das sich für so viele schöne Dinge anbietet, die man zurzeit in Minden nicht richtig zur Verfügung hat. Von einem Kino wird schon seit Jahren gesponnen, ebenso von Entertainment wie einer Discothek, und und und. Seit einiger Zeit gesellt sich nun eine Mehrzweckhalle hinzu, weil die Kampahalle nicht wirklich zweckmäßig ist, wenn es um Musik- und Gesellschaftsveranstaltungen geht – und überhaupt in dem in die Jahre gekommenen Sport- und Musentempel an der Hahler Straße so manches nicht mehr in Ordnung scheint.

So fanden sich in den vergangenen Monaten findige Leute, die fanden, dass das Bahngelände auf der rechten Weserseite, das teilweise nicht mehr genutzt wird, genau der richtige Platz für eine Veranstaltungshalle sei. Da war man sich sogar auf beiden kommunalen Ebenen, beim Kreis und der Stadt, einig.

Was fehlt, ist Geld

Doch wie will man so eine Mehrzweckhalle mit – je nach Nutzungsart – zwischen 3000 und mehr als 5000 Plätzen finanzieren, wenn man weder in der einen kommunalen noch in der anderen kommunalen Kasse das nötige Kleingeld hat? Und in der Portokasse erst recht nicht, zumal beide Kassen in Minden immer noch unter oberster Aufsicht stehen.

Die Antwort: man ruft die freie Wirtschaft herbei. Die zeigt sich in Minden immer wieder mal nicht abgeneigt, das ein oder andere sinnvolle Projekt zu unterstützen. Und so eine Mehrzweckhalle wäre schon sinnvoll, weil es die Stadthalle Minden zwar gibt, die aber seit Jahren geschlossen und ohnehin vom Größenzuschnitt immer nur suboptimal war und ist und die Kampahalle eben auch nicht das Optimum bildet.

Von vornherein kräftig im Minus?

Was also grundsätzlich schon einmal nicht schlecht klingt, hat aber auch leider seine Schattenseite. Bei Baukosten in Höhe von gut 22 Millionen Euro für eine „Veranstaltungs- und Kongresshalle Minden-Lübbecke“ (so ungefähr lautet der Arbeitstitel) zuckt noch keiner zusammen. Weder auf Kommunal- noch auf Wirtschaftsebene. Aber, und jetzt kommt es dicke, externe Fachleute haben berechnet, dass für den Betrieb einer solchen Halle ein jährliches Minus von mehr als 1,2 Millionen Euro einzukalkulieren sei.

Dabei muss allerdings gesagt werden, dass diese Zahl eine Art Worst-Case-Szenario darstellt, dass also im schlimmsten Fall keine (Landes-)Zuschüsse oder Sponsorbeiträge für die Errichtung der Mehrzweckhalle generiert werden können. Und damit die Komplettfinanzierung des Objektes als Verlust voll durchschlagen würde.

Diese Summe bleibt dem Ein oder Anderen dann aber schon als Kloß im Hals stecken, wie man nicht erst seit gestern hört, als Stadt und Kreis sich über das Abenteuer Mehrzweckhalle in Minden informieren ließen. Schon als der Minusbetrag das erste Mal ruchbar wurde, sagte manch einer aus der (Geld-)Wirtschaft „Nein, danke!“. Geld versenken, ist eben nicht die Sache der freien Wirtschaft, zumindest nicht in Minden, wo besonders familiengeführte Unternehmen als Stütze der kulturellen Gesellschaft auftreten. Und die haben meist eben auch noch ein Gewissen, was man von Daimlers und Telekoms ja nicht unbedingt immer behaupten kann.

Dennoch lassen sich viele heimische Unternehmer aber auch nicht abschrecken und würden einen Projektverein, der extra für die Errichtung der Mehrzweckhalle gegründet werden soll, aktiv unterstützen. Dabei gilt aber auch für diese Unterstützer, dass sie nichts zu verschenken haben. Und so bleibt die Frage: Ist eine solche Halle überhaupt realisierbar, wenn man von vornherein von solch hohen Verlusten ausgeht?

Warten wir die nächsten Wochen mal ab, wie die Antwort aussieht.

© Hans-Jürgen Amtage | Veröffentlichung und Weitergabe nur mit Genehmigung des Autors

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Autor: Hans-Jürgen Amtage

Der Journalist Hans-Jürgen Amtage, Jahrgang 1958, ist Geschäftsführender Redakteur des Pressebüros Hans-Jürgen Amtage | Amtage Medientext in Minden. Nach dem Studium der Sozialwisssenschaften und Publizistik in Göttingen war er unter anderem für eine Yellow-Press-Agentur und als Leiter des Regionalstudios Hannover des Privatsenders RTL und Korrespondent im niedersächsischen Landtag tätig. Außerdem wirkte er als stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter einer führenden lokalen Tageszeitung und Wochenzeitung. Hans-Jürgen Amtage arbeitet als Kommunikationsberater und ist in den Neuen Medien unterwegs. In diesem Blog kommentiert er aktuelle (Mindener) Themen.

1 Kommentar

  1. Matthias Beier UB-UWG 6. Juli 2016 um 2:27 Antworten

    Die Antwort ist einfach: Eine schlüsselfertig hingestellte Großveranstaltungshalle kostet 10 bis 15 Millionen EURO nur. Unendliche Welten ist von Ihnen gut übertitelt. Ich finde insbesondere den Zeitverlust von 2 Jahren schlimm. Das von mir seit der KAMPA-Hallen-Krisensitzung verteilte Info 22.9.2014 hatte alle bereits richtigen Grundannahmen drin. Nun kommt noch hinzu, dass Minden dringend alles zur Steigerung der Fahrgastzahlen des Bahnhof Minden/Westfalen tun sollte! Sonst kommt früher oder später das anstehende Gespenst der Bahn-Umgehungstrasse. Die jährlichen Kosten sind inklusive einer sich hinschleppenden Abzahlung also Kreditfinanzierung. Ohnedem wäre es wohl auch noch ein jährliches Betriebskosten-Minus, aber unter Anbetracht was eine Westfalen-Arena für Minden und die Region als positive Effekte bringen wird, ist es das wert. Ein aktiver Einstieg der heimischen Wirtschaft durch Bildung einer eigenen Projekt-Entwicklungsgruppe macht Hoffnung! Grüße, Matthias Beier UB-UWG
    Mitglied des Kreistages
    (und der letzten zwei „geheimen“ Sitzungen zu dem Thema)

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