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Obermarktpassage: Woche der Vorentscheidung

Die Obermarktpassage. Eine unendliche Geschichte oder der große Wurf? Diese Woche könnte sich eine Entscheidung abzeichnen. Luftbild: Edwin-Dodd.com

Die Obermarktpassage. Eine unendliche Geschichte oder der große Wurf? Diese Woche könnte sich eine erste Vorenntscheidung abzeichnen. Luftbild: Edwin-Dodd.com

Von Hans-Jürgen Amtage

Irgendwie bin ich mir nicht sicher. Wird es wieder einmal eine unendliche Geschichte? Wird es der unerwartete große Wurf? Oder ein großer Reinfall?

Die Rede ist von der Obermarktpassage. Jenem ehemaligen Einkaufstempel, der 1984 die Einzelhandelszukunft nach Minden bringen sollte, als Einkaufsdisneyland bezeichnet wurde, dann unzählige Höhen, Tiefen und Centermanager erlebte, um letztlich dahin zu dümpeln und nun dadurch glänzt, dass das Center zu fast Zweidritteln leer steht und nicht mehr zugänglich ist.

Genauso unruhig wie die „Lebensgeschichte“ dieser Passage ist ihre mögliche (oder unmögliche) Zukunft. Von einem amerikanischen Reibachfonds namens Cerberus Capital Management gekauft, gnadenlos herunter gewirtschaftet und jetzt wahrscheinlich als das Abschreibungsobjekt des Jahrhunderts bei den Anlegern gefeiert, dient sie hervorragend als Spekulationsobjekt. Nicht unter finanziellen Gesichtspunkten, sondern nach dem Motto: „Wird das noch was?“

Das interessante dabei: Es gibt durchaus interessante Ansätze – mit denen sich die Mindener Politik aber auch Teile der Stadtverwaltung sehr schwer zu tun scheinen. Es mag an den Protagonisten liegen, die dabei im Spiel sind – und sicherlich nicht immer die glücklichste Hand bei ihrem Vorgehen hatten. Auf der anderen Seite können sie inzwischen nachweisen, dass sie keinen schlechten Riecher für Projekte haben, wie die aktuelle Umbaumaßnahme der ehemaligen Karstadt/Hertie-Immobilie an der Bäckerstraße zeigt, wo genau diese Protagonisten den Investor nach Minden geschleppt und festgenagelt haben. Namen lassen wir hier einfach mal beiseite. Die Eingeweihten wissen, wer gemeint ist.

Andere Investoren, die keiner kennt

Während also diese Truppe auch in Sachen Obermarktpassage wirbeln möchte, wird in der Verwaltung immer wieder davon geredet, es gäbe noch mehr interessierte Investoren. Das mag sein, auch wenn wohl keiner sie genau kennt. Sicher scheint aber zu sein, dass es mögliche Geldgeber sind, die eigentlich nur eines irgendwie entwickeln wollen: die Stadthalle. Also jenes finanzielle Fass ohne Boden, das die Stadt jedes Jahr einen sechsstelligen Verlustbetrag kostet und eigentlich schon seit 32 Jahren ein nicht funktionierendes Etwas ist, das man als Stadthalle bezeichnet hat.

Doch zurück zu der interessierten Investorengruppe, die aus einem Investor, einem gewieften Berater (die beide aus dem Westen der Republik kommen) und einem Mindener besteht, der vielen mit seinem Aktionismus dermaßen auf die Nerven geht, dass sie ihm die Freundschaft kündigen – oder eben zur Stange halten, investieren und aufgrund seines „Nervens“ für Minden und die Mindener etwas schaffen (siehe Hertie).

Jene Truppe also versucht, das ist belegt, seit Wochen zentrale Entscheidungsorgane dieser Stadt davon zu überzeugen, dass sie einen Plan (wenn auch nicht in Feinzeichnung) für die Obermarktpassage haben. So gab es Gespräche mit Verwaltungsspitze und Politik (manchmal erinnert man sich in diesen Gremien auch nicht mehr daran – oder will sich nicht erinnern). Manchmal ist der ein oder andere auch einfach nur beleidigt, weil er nicht zuerst informiert wurde. Also das übliche Kleinklein in Minden, das ja seit seiner rund 150.000 Euro teuren Logo-Neuerfindung (sind da eigentlich die Personalkosten der teilweise ausschließlich dafür tätigen städtischen Mitarbeiter drin …?) nun ganz groß sein will.

Kleiner Supermarkt, großes Entertainment

Doch das große Ganze schwebt wohl eher der eigenwilligen Investorentruppe vor. Die geht erst einmal davon aus, dass der Supermarkt mit dem „K“ am Anfang seines Namens nicht wirklich Interesse daran hat, in der jetzt vorhandenen Größe bis zum Auslaufen des Vertrages im Jahr 2025 Handel in der Obermarktpassage zu treiben. Gerne etwas kleiner, scheint bei dem Betreiber die Zukunftsperspektive zu sein. Eventuell ergänzt durch einen Discounter.

Das könnte also im wahrsten Sinne des Wortes die solide Basis für die neue Obermarktpassage sein. Denn darüber soll nach den Vorstellungen des Investors und seiner Unterstützer ein ganz neues Einkaufs- und Entertainmenterlebnis entstehen.

Dabei würden die Rolltreppen erst einmal um 90 Grad gedreht, um das Gebäude von unten bis oben komplett durchgängig zu erschließen. Während im südlichen Teil in dem Obergeschoss variable Handels- und Praxenflächen entstehen könnten (das Glasdach würde dabei ganz verschwinden), wäre der nördliche Teil dem Entertainment vorbehalten. Ein Teil des Parkdecks würde eingezogen, mehrere Kinosäle würden über die verschiedenen Geschosse entstehen.

Als möglicher Betreiber tritt ein Kinomacher aus Rahden auf, der auch im erweiterten Entertainmentgeschäft tätig ist und als solide gilt. Problem aber auch hier: während die Investorengruppe den Namen in den Ring wirft, mischt sich gleich auch ein anderer Berater ein, der schon mit dem Kinomann allerhand gemacht hat und wohl ebenfalls mitspielen möchte, weil er mit seinen eigentlichen Überlegungen im Bereich Scharn/Rathausinnenhof nicht weiterkommt.

Verhandlungen nach dem Fastenbrechen

Doch bevor das ganze Obermarktpassagen-Projekt wieder einmal im Chaos versinkt, scheint die rheinisch-ostwestfälische Investorengruppe Klarheit schaffen zu wollen. Die Mindener Spatzen pfeifen von verschiedenen Dächern, dass es in der zweiten Hälfte dieser Woche (da spielt das Fastenbrechen eine Rolle …) zu einem sehr ernsthaften Gespräch zwischen dem Dreigestirn und dem Eigentümer/Verwalter der Passage kommen soll. Ziel: einen vernünftigen Kaufpreis aushandeln, um dann möglichst bald Nägel mit Köpfen machen zu können. Vorausgesetzt, Politik und Verwaltung in Minden sind in der Lage, Entscheidungen zu fällen.

© Hans-Jürgen Amtage | Verwendung des Textes nur mit Genehmigung des Autors

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Autor: Hans-Jürgen Amtage

Der Journalist Hans-Jürgen Amtage, Jahrgang 1958, ist Geschäftsführender Redakteur des Pressebüros Hans-Jürgen Amtage | Amtage Medientext in Minden. Nach dem Studium der Sozialwisssenschaften und Publizistik in Göttingen war er unter anderem für eine Yellow-Press-Agentur und als Leiter des Regionalstudios Hannover des Privatsenders RTL und Korrespondent im niedersächsischen Landtag tätig. Außerdem wirkte er als stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter einer führenden lokalen Tageszeitung und Wochenzeitung. Hans-Jürgen Amtage arbeitet als Kommunikationsberater und ist in den Neuen Medien unterwegs. In diesem Blog kommentiert er aktuelle (Mindener) Themen.

2 Kommentare

  1. Philipp Hausdörffer 26. Juli 2016 um 16:21 Antworten

    Danke H.-J.,
    hier steckt sehr viel Wahres drin.
    Ich bin guter Hoffnung, bis jetzt läuft alles nach Plan.

  2. Matthias Beier UB-UWG 6. Juli 2016 um 23:44 Antworten

    Aha, dann wird es also bald drei große Kinocenter in Minden geben? Eins in der OMP, eins an der Ringstraße, eins am Bahnhof. Vielleicht braucht Minden aber gar keins, denn ein Kinocenter benoetigt eher 200.000 Einwohner im Umfeld. Oder es muss eine Stadt sein, in der es außerdem sonst nichts gibt. Da kann man nur zum Friseur gehen oder ins Kino. Abgesehen von der Bedarfsanalyse hat aber die Stadt Minden wenigstens noch das Recht, nachzudenken und zu erfahren, was irgendwelche Planer mit der Stadthalle (welche stillgelegt wurde wegen Brandschutzbestimmungen) vorhaben. Da eine Bündelung aller „Hallen“ am Hauptbahnhof angestrebt wird, ist es nur klug und konsequent, dass man nicht auf blauen Dunst jemandem die „stillgelegte Stadthalle“ überläßt. Das wäre kontraproduktiv.

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