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Morgens um sieben: Post für den Bürgermeisterkandidaten Ulrich Stadtmann – den Beißer

Lieber Ulrich Stadtmann,

Verwunderung und Erstaunen – so kann ich meine Gedanken umschreiben, wenn ich in den vergangenen Wochen an den Bürgermeisterkandidaten Ulrich Stadtmann denke. Wie der bekannte Phönix aus der Asche standen Sie plötzlich da, als der vom sogenannten Fünfer-Bündnis als potenzieller gemeinsamer Bürgermeisterkandidat präsentierte Honorarprofessor aus dem Osten überraschend das Handtuch geworfen hatte. Stadtmann, der Retter in der Not.

Der Kandidat mit christdemokratischem Parteibuch, der von dem ungewöhnlichen Bündnis aus CDU, Bündnisgrünen, FDP, Bürger-Bündnis Minden (BBM) und Piraten plötzlich als der noch viel bessere und kompetentere Kandidat gepriesen wurde, als es ohnehin schon der vorübergehend importierte Professor war. Sozusagen Stadtmann, der Supermann. Entschuldigung: der Superkandidat. Das klingt schon fast zu schön, um wahr zu sein.

Wahlplakat des Mindener Bürgermeisterkandidaten Ulrich Stadtmann in einer eigenwilligen Kombination mit anderer Werbung. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Wahlplakat des Mindener Bürgermeisterkandidaten Ulrich Stadtmann in einer eigenwilligen Kombination mit anderer Werbung. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Nun, ja. Einen Namen hatten Sie sich in der Mindener Politik bis dahin zweifelsohne bereits gemacht. Stadtmann, der Beißer, der auch schon mal kein gutes Haar an den kleinen Fraktionen im Rat ließ, die ihn nun unterstützen. Der gerne mal das ein oder andere Ratsmitglied vorführte und dabei definitiv nicht als der Sympathikus auftrat, den Sie heute geben.

Stadtmann, der knallharte Konservative, der auch schon mal in seinem früheren Leben ziemlich linksorientiert war. Der Hausmann, Kindererzieher, Organisator – Stadtmann, der Netzwerker, der unter sozialen Gesichtspunkten so ziemlich alles schon gemacht hat. Beispielsweise den Offenen Ganztag in Minden erfolgreich auf die Beine zu stellen. Auch gegen den Widerstand – oder zumindest ohne die wirklich engagierte Unterstützung der Verwaltung -, die sich heute den Erfolg auf die Fahne schreibt.

Ok, Sie haben es verstanden, in den vergangenen Jahren als CDU-Fraktionschef im Rat Mehrheiten zu organisieren, die zuvor kein politisch interessierter Mensch für möglich gehalten hätte. Und diese Mehrheiten liefen häufig zu Ungunsten der scheinbar übermächtigen SPD.

Selbst wenn ich all diese Aktivitäten anerkenne, so bleibt doch immer ein Bauchgrummeln. Verursacht auch durch die Frage: Ist das Bündnis, das Sie zurzeit trägt, tatsächlich eine Gemeinschaft, die gewillt ist, langfristig Politik im Schulterschluss für Minden und seine Mitbürgerinnen und Mitbürger zu machen? Oder ist das Bündnis ein bunter Luftballon, der zerplatzt, sobald die Bürgermeisterwahl am 13. September – beziehungsweise bei einer Stichwahl – am 27. September gelaufen ist? Diese Frage könnte eigentlich nur ehrlich beantwortet werden, wenn Sie nicht hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Minden würden.

Bauchgrummeln habe ich aber auch, ob der Ulrich Stadtmann, der derzeit so weichgespült den Wahlkampf absolviert, nicht doch wieder den Beißer raushängen lässt, wenn er auf dem Bürgermeisterstuhl in der Stadtverwaltung sitzt. Das wäre kein guter Ansatz für das Netzwerken, das auch in der Verwaltung nötig ist, um erfolgreich zu agieren.

Sicher ist, Sie werden bei der Bürgermeisterwahl viele Stimmen auf sich vereinigen können, da es vielen immer noch besser erscheinen wird, einen (gestandenen) Kommunalpolitiker zu wählen, als einen parteilosen Newcomer namens Schnake oder einen unabhängigen Bürger namens Beier. Oder eben einen Sozialdemokraten, der Jäcke heißt.

Ich wünsche Ihnen noch angenehme Wahlkampftage. Möge der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnen. Und weil das in einer Demokratie eben so ist, wird es definitiv einen neuen Bürgermeister in Minden geben. Ob damit alles besser wird, wage ich angesichts des gesamten Kandidatenfeldes bereits heute zu bezweifeln.

Ihr
Hans-Jürgen Amtage

Ulrich Stadtmann im Internet: facebook.com/Ulrich.Stadtmann

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Autor: Hans-Jürgen Amtage

Der Journalist Hans-Jürgen Amtage, Jahrgang 1958, ist Geschäftsführender Redakteur des Pressebüros Hans-Jürgen Amtage | Amtage Medientext in Minden. Nach dem Studium der Sozialwisssenschaften und Publizistik in Göttingen war er unter anderem für eine Yellow-Press-Agentur und als Leiter des Regionalstudios Hannover des Privatsenders RTL und Korrespondent im niedersächsischen Landtag tätig. Außerdem wirkte er als stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter einer führenden lokalen Tageszeitung und Wochenzeitung. Hans-Jürgen Amtage arbeitet als Kommunikationsberater und ist in den Neuen Medien unterwegs. In diesem Blog kommentiert er aktuelle (Mindener) Themen.

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