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Abschied: Raddampfer Wappen von Minden wird zum „Weserstolz“

Der Raddampfer "Wappen von Minden" (bereits ohne Namen) einen Tag vor seinem Abschied aus der Weserstadt. Am 20. April wird das Schiff nach Bremen verlegt, wo es unter dem Namen "Weserstolz" fährt. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Der Raddampfer „Wappen von Minden“ (bereits ohne Namen) einen Tag vor seinem Abschied aus der Weserstadt im Alten Weserhafen. Am 20. April wird das Schiff nach Bremen verlegt, wo es unter dem Namen „Weserstolz“ fährt. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Fast 14 Jahre lag er an der Schlagde vor der Fischerstadt unweit der zentralen Weserbrücke vor Anker: Der Raddampfer “Wappen von Minden”. Der einzige Raddampfer auf der Weser. Doch am 20. April 2015 schippert das Dampfschiff Richtung Bremen, wohin die Bremer Fahrgastschifffahrtsgesellschaft Hal Över die „Wappen von Minden“ verlegt. Dort wird das schmucke Schiff dann unter dem Namen „Weserstolz“ an der Bremer Schlachte liegen und startet von dort zu Fahrten auf der Weser. In der vergangenen Woche wurde die „Wappen von Minden“ im Alten Weserhafen unterhalb der Gustav-Heinemann-Brücke vorerst „namenlos“ gemacht.

Seit Mitte April 2001 schaufelten sich seine Räder durch das Wasser des Mittellandkanales und der Weser, doch sein endgültiger Liegeplatz war damals noch nicht fertiggestellt. Im Rahmen eines Arbeitsförderungsprojektes wurde der rund sieben Jahrzehnte alte Raddampfer, der ursprünglich den Namen “Labe” (Elbe) trug und der mehr als vier Jahrzehnte auf der Moldau bei Prag dampfte, in den Jahren 1999 und 2000 wieder hergerichtet – nachdem das Dampfschiff auf der Moldau gesunken und fast völlig verrottet war.

1997 hatte der damalige Geschäftsführer der Stadttochter Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungs GmbH (MEW), Hans Jürgen Hansch, die ersten Kontakte mit der zuständigen tschechischen Schifffahrtsgesellschaft in Prag wegen des maroden Dampfers aufgenommen. Nach schwierigen Verhandlungen kam 1998 der Kaufvertrag zustande. Der Dampfer wurde in einer Dresdner Werft notdürftig in Stand gesetzt, um wenig später nach Minden geschleppt werden zu können. Dort warteten rund zwei Dutzend junge Arbeitslose darauf, im Rahmen eines Beschäftigungsprojektes den Raddampfer von Grund auf wieder herzurichten und sich für den Ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Mit Erfolg, wie sich später zeigte.

Mit einem Kostenaufwand von rund zwei Millionen Euro wurde der Raddampfer, der noch “Wappen von Minden” heißt, aufgerüstet, begleitet von einem Dampfschiff-Fachmann, der seit mehr als sechs Jahrzehnten sein Herz der Dampfschiffahrt verschrieben hatte: der inzwischen verstorbene Rentner Heinz Trost aus Mindens niedersächsischer Nachbargemeinde Wiedensahl. Zuschüsse für das Projekt, das von der inzwischen abgewickelten Beschäftigungsgesellschaft „Transfer“ durchgeführt wurde – unter anderem von der MEW und dem Kreis Minden-Lübbecke getragen -, kamen auch vom Land Nordrhein-Westfalen sowie von heimischen Sponsoren. Viele der jungen Mitarbeiter an dem Projekt konnten später in den regulären Arbeitsmarkt integriert werden.

Ab März 2009 fuhr der Raddampfer “Wappen von Minden” als Linienschiff der MEW, die das Dampfschiff von der Mindener Fahrgastschifffahrt übernommen hatte, nachdem die ihren Pachtvertrag mit der MEW nicht verlängerte. Gleichzeitig fungierte die “Wappen von Minden” als Gastronomie- und Eventschiff. 2012 wurde der Raddampfer von der Fahrgastschifffahrt „Flotte Weser“ mit Sitzen in Nienburg und Hameln übernommen. Das Schiff fuhr aber weiterhin auch in Minden. Bis April 2015, als sich die Flotte Weser und Hal Över zusammentaten, um den Raddampfer in Bremen einzusetzen.

Die Entscheidung der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungs GmbH, den Dampfer zu veräußern, fiel vor allem aufgrund des Kostendrucks. Rund 50.000 Euro Verluste für die MEW schrieb die „Wappen von Minden“ zuletzt jährlich. Unklar ist jetzt, ob eventuell die Landeszuschüsse, die in das Raddampfer-Projekt geflossen sind, zumindest teilweise zurückgezahlt werden müssen, da die Bindungsfrist für die Zuschüsse noch nicht abgelaufen ist.

Der rund 53 Meter lange und neun Meter breite Raddampfer kann etwa 200 Personen transportieren, nachdem er in Prag auf der Moldau mit bis zu 650 Fahrgästen unterwegs war. Das 25 Tonnen schwere Dampfaggregat, das komplett generalüberholt werden musste, treibt die beiden Schaufelräder mit höchstens 45 Umdrehungen in der Minute an. Bei einem Tiefgang des Raddampfers von maximal 72 Zentimetern, kann sich das Dampfschiff auch bei niedrigem Wasserstand durch die Fluten der Weser arbeiten.

Autor: © Hans-Jürgen Amtage

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Autor: Hans-Jürgen Amtage

Der Journalist Hans-Jürgen Amtage, Jahrgang 1958, ist Geschäftsführender Redakteur des Pressebüros Hans-Jürgen Amtage | Amtage Medientext in Minden. Nach dem Studium der Sozialwisssenschaften und Publizistik in Göttingen war er unter anderem für eine Yellow-Press-Agentur und als Leiter des Regionalstudios Hannover des Privatsenders RTL und Korrespondent im niedersächsischen Landtag tätig. Außerdem wirkte er als stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter einer führenden lokalen Tageszeitung und Wochenzeitung. Hans-Jürgen Amtage arbeitet als Kommunikationsberater und ist in den Neuen Medien unterwegs. In diesem Blog kommentiert er aktuelle (Mindener) Themen.

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