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Schweizer Unternehmen Siegfried kauft BASF Minden

Das Schweizer Pharmaunternehmen Siegfried kauft das BASF-Werk in Minden. Luftbild: Edwin Dodd / Edwin-Dodd.com

Das Schweizer Pharmaunternehmen Siegfried kauft das BASF-Werk in Minden. Luftbild: Edwin Dodd / Edwin-Dodd.com

Die Schweizer Siegfried-Gruppe hat mit dem deutschen Unternehmen BASF eine grundsätzliche Übereinkunft zur Übernahme wesentlicher Bereiche des Auftrags- und Zuliefergeschäfts mit pharmazeutischen Wirkstoffen und der damit verbundenen chemisch-pharmazeutischen Produktionsstätten in Deutschland, Frankreich und der Schweiz erzielt. Von der Vereinbarung betroffen ist auch das BASF-Werk in Minden, wie Siegfried am Donnerstag in einer Pressemitteilung erklärte. Alle Arbeitsplätze sollen in der Weserstadt erhalten bleiben.

Der Abschluss der geplanten Transaktion werde – vorbehaltlich des notwendigen Konsultationsverfahrens in Frankreich und der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden – im Herbst dieses Jahres erwartet. Insgesamt hätten die drei Standorte im vergangenen Jahr mit mehr als 800 Mitarbeitern rund 280 Millionen Franken (etwa 272 Millionen Euro) Umsatz erzielt. Der Kaufpreis betrage auf schuldenfreier Basis rund 270 Millionen Euro, so das Schweizer Unternehmen.

Die betreffende Geschäftseinheit von BASF sei wie Siegfried im Zuliefergeschäft für die weltweite Pharmaindustrie tätig und stellt pharmazeutische Wirkstoffe und Zwischenprodukte her. Sie ergänze Siegfried auf ideale Art und Weise, betont das Unternehmen. Die Transaktion umfasse die Standorte in Minden, Saint-Vulbas (Frankreich) und Evionnaz (Schweiz). Siegfried-Geschäftsführer Dr. Rudolf Hanko: „Mit dieser Übernahme hat Siegfried nun die angestrebte Größe, um im Zuliefermarkt für die Pharmaindustrie als breit aufgestellter Anbieter eine führende Rolle zu spielen. Die Vorzeichen für Siegfried stehen auf Wachstum.“

Im November kaufte Siegfried bereits Hameln Pharma

Die Kombination von Siegfried mit dem Pharma-Zuliefergeschäft von BASF bilde eine attraktive Basis für nachhaltiges profitables Wachstum, erklärte das Unternehmen weiter. Dabei würden sich insbesondere die Kombination komplementärer Kundenportfolios und eine gesteigerte Flexibilität bei der Akquise von Neugeschäften durch ausreichend verfügbare Kapazität positiv auf Umsatz und Ertrag auswirken. Zudem würden Synergien in den Bereichen Overhead, IT, Einkauf sowie im Zusammenspiel des globalen Produktionsnetzwerkes mit dem neuen Standort im chinesischen Nan-tong erzielt. Zusätzlich erhalte Siegfried durch die Übernahme Zugang zu attraktiven Technologien im Bereich der chemischen Wirkstofffertigung.

Bereits im November des vergangenen Jahres kaufte Siegfried das deutsche Unternehmen Hameln Pharma mit rund 500 Mitarbeitern. Das Unternehmen in der Rattenfängerstadt ist in der Entwicklung und Fertigung von sterilen flüssigen Darreichungsformen für die pharmazeutische Industrie tätig. Mit der jetzigen Übernahme der drei Standorte in Minden, Frankreich und der Schweiz erreicht Siegfried nach eigenen Angaben das gesetzte Umsatzziel von 500 Millionen Franken (485 Millionen Euro) und wird zum weltweiten Marktführer der Pharma-Zulieferer-Branche.

Von der Knoll AG zum BASF-Werk

Die Firma BASF Pharmachemikalien GmbH & Co. KG in Minden ist ein chemisches Werk  und produziert als Tochterunternehmen der BASF Chemikalien für die Pharmaindustrie und Nahrungsmittelergänzung. Seit August 2010 gehört das Werk Minden zu dem neu geschaffenen Unternehmensbereich der BASF „Nutrition & Health“. Früher gehörte der Standort an der Karlstraße in Minden zur Knoll AG.

Die Knoll AG geht auf den Firmengründer, den Chemiker Albert Knoll, zurück. Er erfand eine chemische Möglichkeit, Morphin in Codein umzuwandeln und damit eine wesentlich billigere Möglichkeit, diesen Wirkstoff gegen Husten und Schmerzen zu bekommen. Die Produktion nahm die von ihm gegründete Knoll AG auf. 1935 forderte eine Kommission des Heeres-Sanitätsinspekteurs die Verlagerung der chemischen Produktion an einen sicheren Standort. Die Knoll AG lag damals am Rhein in Ludwigshafen und war nahe an der Grenze nach Frankreich und damit dem Einfluss französischer Truppen ausgesetzt. Die Kommission bezeichnete den Raum Osnabrück-Minden als solche sichere Region. Minden bekam den Vorzug, weil es guten Anschluss an die Bahnstrecke Köln – Berlin und an den Mittellandkanal hatte. Das Werk wurde noch im selben Jahr ins Handelsregister eingetragen. 1939 nahmen Knoll an der Karlstraße die Produktion auf.

1975 wurde Knoll Minden von der BASF übernommen und ist als deren Tochtergesellschaft noch weiter unter dem Namen Knoll betrieben worden. Im Rahmen der Umstrukturierung der BASF ist das Werk Minden im Juni 2000 als BASF PharmaChemikalien GmbH & CO KG aus der BASF Tochter Knoll ausgegliedert und dem Bereich BASF Feinchemie unterstellt worden. Unter diesem Namen werden jetzt Pharmawirkstoffe innerhalb der BASF-Gruppe hergestellt.

2001 erwarb Abbott Laboratories mit der Knoll AG den pharmazeutischen Bereich vom Unternehmen BASF. Da das Werk Minden jedoch schon ausgegliedert war, blieb es bei BASF. Am Standort in Minden sind rund 350 Mitarbeiter beschäftigt (Informationen aus Wikipedia).

 Autor: © Hans-Jürgen Amtage

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Autor: Hans-Jürgen Amtage

Der Journalist Hans-Jürgen Amtage, Jahrgang 1958, ist Geschäftsführender Redakteur des Pressebüros Hans-Jürgen Amtage | Amtage Medientext in Minden. Nach dem Studium der Sozialwisssenschaften und Publizistik in Göttingen war er unter anderem für eine Yellow-Press-Agentur und als Leiter des Regionalstudios Hannover des Privatsenders RTL und Korrespondent im niedersächsischen Landtag tätig. Außerdem wirkte er als stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter einer führenden lokalen Tageszeitung und Wochenzeitung. Hans-Jürgen Amtage arbeitet als Kommunikationsberater und ist in den Neuen Medien unterwegs. In diesem Blog kommentiert er aktuelle (Mindener) Themen.

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