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Stadtmann-Kandidatur: Der Bündnis-Schnellschuss

Vier Kandidaten rüsten sich für die Bürgermeisterwahl im September in Minden. Zu einem Zeitpunkt, an dem nicht einmal alle Bewerber offiziell ihre Kandidaturunterlagen bei der Stadt eingereicht haben. Unterdessen sickern einige Informationen durch, wie die Kandidatur des Bewerbers für das Fünfer-Bündnis, Ulrich Stadtmann (CDU), zustande gekommen ist.

Man kann es wohl als Bündnis-Schnellschuss bezeichnen, was sich da am 26. Mai bei einem Krisentreffen der Fünf abgespielt hat. An jenem Dienstag stand endgültig fest, dass der viel gepriesene Kandidat der Bürgermeisterkandidaten-Findungsgemeinschaft aus CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Piraten und Bürger-Bündnis Minden (BBM), Dr. Rolf Koerber, die Flinte endgültig ins Korn geworfen hatte. Aus welchen Beweggründen auch immer.

Bei dieser Krisensitzung beschloss das Bündnis, die ungewöhnliche politische Truppe aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig wurde intensiv diskutiert, wie es weiter gehen könnte. Das Ergebnis lautete in einer zwei Tage später veröffentlichten Presseerklärung so: „Nach kurzen und intensiven Beratungen schlagen die geschäftsführenden Vorstände von CDU, Piraten und BBM Ulrich Stadtmann als neuen Kandidaten für das Bürgermeisteramt vor.“ In einer inoffiziellen Information aus der Gruppe klingt es so: „Im Sinne einer schnellen Klärung der Situation hat sich die Gruppe nach intensiver Beratung darauf verständigt, den Mitgliedern der beteiligten Parteien, Ulrich Stadtmann, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Minden, als gemeinsamen Kandidaten und als Alternative zu Michael Jäcke im Bürgermeisterwahlkampf vorzuschlagen.“

Die Erklärung zeigt, dass sich die Fünf nicht gerade viel Zeit genommen haben, um vom Alptraumkandidaten Koerber auf den Traumkandidaten Stadtmann umzuschwenken. Es mag damit zusammenhängen, dass der Christdemokrat mit dem Hang, sich nicht nur bei politischen Gegnern unbeliebt zu machen, vermutlich schon deutlich im Vorfeld auf eine etwaige Kandidatur angesprochen wurde. Das soll – mit aller Vorsicht – sogar aus SPD-Kreisen geschehen sein, wie es im Rathaus heißt.

Während CDU, FDP, BBM und aktuell auch die Piraten „wie ein Mann“ hinter Stadtmann stehen, scheint noch offen zu sein, ob die Bündnisgrünen den CDU-Mann tatsächlich unterstützen. Eigentlich sollte eine Entscheidung schon gefallen sein. Doch wurde die Beratung auf kommende Woche vertagt. Grüne Einigkeit sieht normalerweise wohl anders aus.

Umso überraschender dürfte besonders für die Sozialdemokraten gewesen sein, dass Ulrich Stadtmann tatsächlich gegen den bereits im vergangenen Jahr nominierten SPD-Bürgermeisterkandidaten, den Stadtverbandsvorsitzenden Michael Jäcke, antritt. Den beiden Außenseitern, Matthias Beier von den Unabhängigen Bürgern und Jürgen Schnake als ungebundener Kandidat in spe, dürfte das egal sein. Sie machen die Wahl als chancenlose Bewerber nur ein bisschen bunter. Und teurer. Weil sie wahrscheinlich dafür sorgen werden, dass es zu einer Stichwahl kommt. Doch Demokratie kostet halt.

Autor dieses Kommentars: © Hans-Jürgen Amtage

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Autor: Hans-Jürgen Amtage

Der Journalist Hans-Jürgen Amtage, Jahrgang 1958, ist Geschäftsführender Redakteur des Pressebüros Hans-Jürgen Amtage | Amtage Medientext in Minden. Nach dem Studium der Sozialwisssenschaften und Publizistik in Göttingen war er unter anderem für eine Yellow-Press-Agentur und als Leiter des Regionalstudios Hannover des Privatsenders RTL und Korrespondent im niedersächsischen Landtag tätig. Außerdem wirkte er als stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter einer führenden lokalen Tageszeitung und Wochenzeitung. Hans-Jürgen Amtage arbeitet als Kommunikationsberater und ist in den Neuen Medien unterwegs. In diesem Blog kommentiert er aktuelle (Mindener) Themen.

3 Kommentare

  1. Oh oh! Mir ist gerade der Kaffee aus dem Gesicht gefallen.

    Beier ist politisch bei Jäcke. Das Fähnchen ist hier gerade in einen Wirbelsturm gekommen, holt die Segel ein!
    In den letzten Jahren hat ein gewisser Herr Beier alles torpediert, was irgendwie nach SPD oder CDU gerochen hat und nun stellt er sich in eine Ecke des einzigen Kandidaten, der für Minden keine Vision sondern nur ein „weiter so“ hat? Wow, ich bin geflasht!

    Und dann auch noch die Kandidaten Schnake und Stadtmann gemeinsam in eine andere Ecke zu stellen. Schwarz-Weiß-Denken par excellence.

    Übrigens Herr Beier, waren Sie es nicht, der vorgestern noch mit Schnake zusammen am liebsten gegen das MT vorgegangen wäre, wegen unfairer Berichterstattung? Würfeln Sie ihre Mit/für/gegen-Konstellation jeden morgen an der Bettkante aus?

    Da kann einem ja nur schwummerig werden.

  2. Matthias Beier UB-UWG 25. Juni 2015 um 0:36 Antworten

    Wenn ich einen persönlichen Zwischenstand hier einwerfen darf. Ich sehe insbesondere nach dem IHK-Auftritt mich eher in der „Nähe“ vom Herrn Jäcke (SPD), nämlich verantwortbarer Politik. Da unglaublicherweise Herr Stadtmann (CDU) mit Stimmung und Happyness dazu aufrief, Minden zur Großstadt zu machen (indem man Porta hinzunähme, er mit dem Portaner BM sogar schon hierüber gesprochen habe) ist da eigerntlich das Ende vorprogrammiert. Meine Bewwerbung – ungefaehr wir in der Kandidatur-Pressemeldung schon lesbar – beinhaltet natürlich weiterhin die Planung einer Westfalen-Arena Minden am Verkehrsknotenpunkt Hauptbahnhof. Dass der der parteilose Jürgen Schnake, wie Stadtmann auch, einen Austritt der Stadt Minden aus dem Kreis (zur Ersparnis der Kreisumlage – EINE MILCHMÄDCHEN-RECHNUNG!) ebenfalls vorschlug, lässt die Frage aufkommen, wer von wem hier leichtsinnig abgeschrieben hat. So liegen Stadtmann und Schnake in dieser Hinsicht dicht beieinander (mit unverantwortbaren Wahlaussagen). Grüsse, Matthias Beier

  3. Ich bin ja nun wahrlich kein Freund der beiden Außenseiter, aber den beiden nicht mal mehr durch die Blume vorzuwerfen, die seien für eine teure Wahl verantwortlich, geht ja wohl gar nicht.

    Das Wahlsystem ist schlecht. Präferenzwahl würde auch bei vielen Kandidaten einen zweiten Wahlgang sparen.

    Ansonsten reden wir hier von Demokratie. Die ist nicht teuer, sondern ein unbezahlbares Gut!

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